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Elektroneurographie (ENG)/Elektromyographie (EMG)

Die beiden elektrophysiologischen Untersuchungsverfahren Elektroneurographie (ENG) und Elektromyographie (EMG) geben uns Hinweise auf Erkrankungen des peripheren Nervensystems und der Muskulatur. Mit der EMG untersuchen wir die elektrische Aktivität der Muskeln. Die ENG dient dazu, die Funktionsfähigkeit der Nerven zu bestimmen.

Nerven: Aufbau und Funktion

Ein Nerv ähnelt in seinem Aufbau und seiner Funktion einem Elektrokabel: Er besteht aus dem Axon – vergleichbar mit dem stromleitenden Kupferdraht – und der das Axon umschließenden Myelinscheide – ähnlich der Isolierschicht, die das Kabel umgibt. Ist die Myelinscheide beschädigt, leitet der Nerv die elektrische Erregung langsamer als normal an den zugehörigen Muskel weiter. Ist dagegen das Axon geschädigt, wird die Erregung zwar mit normaler Geschwindigkeit, aber nicht mehr vollständig transportiert. Wie sich eine Schädigung auswirkt, hängt davon ab, welche Nerven betroffen sind: Bei den motorischen Nerven kann es zu Kraftminderungen (Lähmungen) der zugehörigen Muskeln kommen. Sind dagegen sensible Nerven betroffen, kann sich dies in einem veränderten Berührungs- und Schmerzempfinden in den Körperbereichen äußern, die von diesen Nerven versorgten werden. Die meisten Nerven entfalten motorische Fasern, die die Befehle vom Gehirn zur Steuerung der Muskulatur weiterleiten, als auch sensible Fasern, die Gefühle (Berührung, Schmerz, Temperaturempfinden) zum Gehirn leiten.

Ablauf der Untersuchungen

Bei der Elektroneurographie werden motorische oder sensible Nerven mit elektrischen Impulsen gereizt. Die elektrische Reaktion der stimulierten Nerven messen wir mithilfe von auf die Haut aufgelegten Elektroden. Die Messergebnisse zeigen uns, ob Axone und Myelinscheiden der untersuchten Nerven intakt oder geschädigt sind. Die Untersuchung dauert je nach Anzahl der gemessenen Nerven zwischen zehn und 30 Minuten.

Eine typische Untersuchung ist die Messung des „Nervus medianus“ am Handgelenk. Dort wird der Nerv des öfteren zwischen Bändern und Knochen eingeklemmt. Es kommt oft nachts zu Schmerzen und Taubheit des Daumens, Zeige- und Mittelfingers. Die Kraft und Geschicklichkeit der Hand kann eingeschränkt sein. Diese Beschwerden deuten auf ein Carpaltunnel-Syndrom hin.

Mit der Elektromyographie untersuchen wir, ob der Muskel selbst geschädigt ist. Um die elektrische Aktivität des interessierenden Muskels zu messen, wird eine dünne Elektrodennadel in den Muskel eingestochen (Nadel-EMG). Die elektrische Aktivität lässt sich dann am Bildschirm darstellen. Zunächst untersuchen wir in der Regel die Aktivität im entspannten und anschließend im angespannten Zustand. Die Untersuchung dauert pro Muskel drei bis fünf Minuten.

Eine andere Methode ist die sogenannte Oberflächen-EMG. Dabei bringen wir Elektroden auf die Haut auf, mit deren Hilfe wir die elektrische Aktivität des Muskels ableiten. Dabei lassen sich jedoch keine Rückschlüsse auf die Aktivität einzelner Muskelfasern ziehen. Die Methode eignet sich deshalb eher für die Bestimmung der Zeitverzögerung zwischen Reiz und Muskelkontraktion. Diese Untersuchung dauert etwa fünf Minuten.